Der gemeine Bau

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 25/07 vom 20.06.2007

VORSTADT Ein Mann schießt auf spielende Ausländerkinder. Die Bewohner zeigen Verständnis und beklagen den Niedergang des Gemeindebaus. Was ist nur los im Arbeiterbezirk Favoriten?

In seiner Wohnung auf der Zweierstiege dämpft der arbeitslose Lastwagenfahrer Fredl, 48, zufrieden seine vierte blaue Memphis aus. Zwei Finger zwängt er durch die heruntergelassene Jalousie, blickt hinaus auf den verwaisten Spielplatz im Hof und genießt die Stille, ein Kind der Angst. Fredl, großer Bauch, roter Zopf und ein herunterhängender Schnurrbart wie ein Walroß, sagt: "Endlich ist hier Ruhe! Die Kinder wissen noch nicht, dass sie ihn verhaftet haben. Und ich sag's ihnen sicher nicht."

Nur ein pummeliges Mädchen hutscht auf der Schaukel . Acht Jahre ist es alt, die Eltern, Tschetschenen, sind dem Straßenkampf Grosnys entkommen. Nun geraten sie in die Gemeindebaufront. Ihre Tochter hält einen Schlecker in der Hand, deutet aufgeregt auf eine kleine Wunde an der blassen Stirn. Flüsternd sagt das


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