Film

Angepasste Freaks

Kultur | aus FALTER 25/07 vom 20.06.2007

Shrek der Dritte" ist besser als Teil zwei des Märchensatiren-Franchise, aber nicht so gut wie sein Ruf. Zwar wird hier bis zu den Randfiguren (der Froschkönig, der nicht und nicht sterben will, oder der traumatisierte Lebkuchenmann) unbestreitbar Spaß geboten. Doch dessen Preis ist hoch; es gibt ihn allzu billig. Malten Hollywoods Animationen uns einst die Realität einer Illusion (von Liebreiz oder Furor) aus, so genügt "Shrek 1-3" die Illusion einer Realität: Stets wird Fantastisches oder Kitsch wegrationalisiert; ein Vogerl, das idyllisch tiriliert, kriegt vom Zweig, auf dem es sitzt, eine gewischt. Übrig bleibt ein liberales, polymorph-perverses Soziotop; ganz abgeklärt integriert es alle Freaks, sofern die sich anpassen, sprich: an sich selbst, an ihr Erfolgs- und Genusspotenzial glauben. Noch das Ohrenschmalzbasteln zeigt: Man ist "animiert", bereit zur kreativen Leistung. Der shrekliche Realitätssinn hat nur eine Illusion, und die trägt alles: die Ideologie des unternehmerischen Individuums. Am Ende wird der von Justin Timberlake gesprochene High-School-Träumer König. Zum Regieren taugt, wer am meisten an seine Durchsetzungskraft glaubt, wie in jedem Märchenland von Kalifornien bis Österreich.

Drehli Robnik

Ab 22.6. im Kino (OF in Burg und Haydn).


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