Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 25/07 vom 20.06.2007

Sex

Chuscheln Ich habe letztens gelesen, dass jetzt so was wie organisierte Kuschelpartys en vogue sind. Allein die Vorstellung kostete mich eine amtliche Panikattacke. Die totale Massenbekörperung! Wahlloses Geherze, ohne Rücksicht auf persönliche Umarmungsimpulse, nämlich die vier berühmten CHs: Chemie, Charakter, Charme, Cheruch. Das ist doch wie Blunzengröstl mit Schlagobers, da muss man schon die Hormone dafür haben. Schon als Kind fand ich den zwangsverpassten Handshake beim kirchlichen "Der Friede sei mit dir" vernachlässigbar. Wie verhält man sich erst bei einer Veranstaltung, bei der vermutlich vorrangig CH-technisch mäßig kompatible Zwangsumarmungen Konzept sind? Das gute alte "Man sieht sich!" ist da dramaturgisch wohl nicht vorgesehen. Das Gegenüber weiß, es darf irgendwann noch kuscheln kommen. Bitte ladet mich nicht ein! Ich stünde da wie ein Riesen-A, mit echt miesen CHs. Und dann würd der eine Gute, den's immer wo gibt, nicht mit mir chuscheln wollen.

Heidi List

Fussball

Copa wurscht Diese Woche wird die Copa Libertadores, die Champions League Südamerikas, entschieden. Die Frage ist, warum uns das so wurscht ist. Alle Mitteleuropäer sind sich einig, dass Brasilien und Argentinien zu den größten Fußballnationen der Welt gehören. Aber über die dortigen Vereinsmannschaften wissen sie so wenig wie über den Ligafußball in Skandinavien. Die Ignoranz hat sicher damit zu tun, dass die besten Argentinier oder Brasilianer - wie die Skandinavier - ohnedies im Ausland spielen, aber komisch ist es trotzdem. Oder wissen Sie, wer in dieser Saison argentinischer Meister wurde? Achtung, Fangfrage: In Argentinien werden, wie ich erst kürzlich erfuhr, zwei Meistertitel vergeben, im Herbst und im Frühjahr. Vielleicht hat es ja doch auch gute Gründe, dass der südamerikanische Klubfußball bei uns nicht so ernst genommen wird.

Wolfgang Kralicek


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