Fragen Sie Frau Andrea

Pascher

Stadtleben | aus FALTER 25/07 vom 20.06.2007

Liebe Frau Andrea,

offenbar ist, "einen Pascher" zu haben, ein Motiv, wie wir gerade im Falle eines drogensüchtigen Schützen sehen konnten, der aus Paschergründen spielende Gemeindebaukinder mit dem Luftgewehr ruhigstellen wollte. Was genau ist denn so ein Pascher, wie äußert sich so etwas noch und sollte es wienerisch nicht eher "Poscher" oder gar "Boscher" heißen? Fragt

Bruce aus dem Brunnenviertel

Lieber Herr Bruce,

der junge Mann, der mit dem Schießprügel in den Hof ballerte, nannte als Grund für sein Tun tatsächlich, einen Pascher zu haben. Einen Pascher zu haben, heißt in Wien so viel, wie einen Klopfer zu haben. Der Pascher ("Boscha" ausgesprochen) kommt vom Verb paschen (boschn), mit dem man in Wien das Klatschen bezeichnet. Der Ausdruck kommt vom mittelhochdeutschen bossen, das nichts anderes heißt als schlagen. Bossen ist im Amboß und im Wörtchen bosseln, mit kleinen Schlägen bearbeiten, versteckt. Im alten Wienerisch gibt es noch ein zweites paschen, es kommt aus dem Rotwelschen und benennt das schmuggeln, eigentlich das kaufen und verkaufen von unehrlich erworbenem Gut. Ob der schießwütige Kleinkalibrist aus dem Gemeindebau mit dem Haben eines Paschers meinte, einen Schmuggler zu besitzen, ist mitsamt der Antwort auf die Frage, was wir uns unter dem Besitz eines Schmugglers vorstellen wollen, nicht bekannt. Über dieser Erörterung soll nicht vergessen werden, dass der Pascher natürlich korrekterweise Poscher heißt.


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