Fragen Sie Frau Andrea

Massiv passiv

Stadtleben | aus FALTER 26/07 vom 27.06.2007

Liebe Frau Andrea,

in unserer Stammtischrunde wurde in letzter Zeit viel über die Gefahren des Passivtrinkens diskutiert. Sie können sich vorstellen, wie kontroversiell dieses Thema behandelt wurde. Im Namen meiner Freunde bitte ich Sie daher um Ihre geschätzte Meinung.

Dietmar Werner, ssf

Sekretär sans frontière

Lieber Dietmar,

sehr geehrter Herr Sekretär,

das Phänomen, das Sie beunruhigt, ist in der Fachwelt und bei Betroffenen als Contact High bekannt. Wir kennen es nicht nur vom passiven Alkoholismus, jener Aufgesprudeltheit, die nur die Nähe Angeheiterter und Betrunkener braucht, um sich der hohen Blüte der Entrücktheit zu ergeben. Passivtrinker taumeln und stammeln, ganz als ob sie selbst in den Becher geschaut hätten. Auch bei der Passivkonsumation anderer Drogen wird von Contact High berichtet. Als Beispiele unter vielen möchte ich die Weihraucheuphorie der gläubigen Katholiken, die Breitheit der Jointzaungäste und die besorgniserregende Entkörperung erwähnen, die Touristen befällt, wenn sie die Substi-Patienten in der Karlsplatzunterführung passieren. Ohne Contact High gäbe es keine Kabarettabende, nicht den Furor der Fankurve. Unterschätzen wir dennoch das Passivtrinken nicht. Es schädigt zwar die Leber nicht so sehr wie das Passivrauchen die Lunge, aber passiv besoffen wollten wir Freund und Freundin keineswegs hinters Steuer lassen. Dennoch halte ich Passivtrinken für ungefährlich. Was ich vom Passivhandyfonieren nicht behaupten möchte.


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