hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 27/07 vom 04.07.2007

Verschwinden

Anfang Juli ist es sogar französischen Philosophen fad: Sprechen wir also von der Welt, aus der der Mensch verschwunden ist. Kein Wunder, er ist ja auf Urlaub. Aber Leere ist ein gutes Stichwort: Die offizielle Page der Regionalliga, Link zur Mannschaftsaufstellung des GAK: leer. Die Politikseiten: leer. Das Büro: fast leer, die Kaffeedose, die Batterien, die Ausstellungen usw. Die Bettler sind immer noch da. Die Vorschläge, sie zu vertreiben (das BZÖ hat, bevor es wieder verschwunden ist, "die Stadt säubern" gesagt) und durch Bettelautomaten zu ersetzen, sind aber auch aus den Parteiprogrammen verschwunden. Zumindest Google kann sie nicht finden. Aber weil Google sich nicht mit einfachem Verschwinden abfinden kann, versucht es zu helfen: "Meinten sie Dattelautomaten?" Dattelautomaten sind nichts, woraus man Südfrüchte essen könnte. Es sind Glücksspielmaschinen, diese Seuche der Menschheit, mitverantwortlich dafür, dass auch der Ex-Chef von Sturm Graz verschwunden ist. Wenn er wieder da ist, muss er nicht extra nach Salzburg fahren, um Freunde zu treffen: Der Verein ASS (Anonyme Spieler Salzburg) ist dabei, eine Dependance in Graz aufzubauen. Dort soll "responsible gaming" unterstützt werden, ganz im Sinne der Sponsoren, der Novomatic Gruppe und der Casino AG. Die gute alte und bewährte Methode: sich treffen, plaudern, Probleme bearbeiten, und irgendwann sind sie verschwunden. Nur die Lust am kleinen Glücksspiel bleibt.


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