Die Rache des Westens

Politik | Ulrich Ladurner | aus FALTER 27/07 vom 04.07.2007

ESSAY Wir reden nicht gerne darüber, aber Rache gehört nicht nur zu den schlechten Gewohnheiten der Terroristen, sondern auch des Westens. Über das Versagen der Intellektuellen im Kampf gegen den Terror.

Die USA haben den Irakkrieg de facto verloren. In Afghanistan ist der Ausgang der Intervention ungewiss. Der Terrorismus in den westlichen Städten wurde nicht bekämpft - im Gegenteil. Wie konnten der Westen und seine Führungsmacht überhaupt in diese Lage geraten? Es gibt darauf eine Reihe von Antworten, die man in klugen Büchern nachlesen kann. Von Selbstverteidigung ist die Rede, von imperialer Hybris, von Allmachtsfantasien einer neokonservativen Washingtoner Clique, vom gnadenlosen Kampf um die Ressource Erdöl. Ein Motiv für die Kriege wird nicht erwähnt: Rache.

Das ist verständlich. Denn von Rache reden wir meist nur in privaten Beziehungen. Wenn zum Beispiel ein Mann seine Ehefrau wegen eines Ehebruchs ums Leben bringt. Wir reden auch von Rache, wenn ein Terrorist eine Bombe


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