Presseschau

Medien | Gerald John | aus FALTER 27/07 vom 04.07.2007

Das Gespräch mit Henry Kissinger im Zeit-Magazin Leben ist eine Enttäuschung. Nicht, dass es schlecht geführt worden wäre; die beiden Interviewer lockten den ehemaligen US-Außenminister sogar so weit aus der Reserve, dass dieser grantelte: "Als ich diesem Interview zustimmte (...), bin ich nicht davon ausgegangen, dass es zu einer Inquisition werden würde." Von einem scharfsinningen Politiker wie Kissinger hätte man aber erwartet, dass er gegenüber den vielen dunklen Kapiteln seiner Karriere ein Mindestmaß an Reflexionsfähigkeit aufbringt. Stattdessen präsentierte sich der 84-Jährige als Mann, der immer noch in die Logik des Kalten Krieges verfällt. Vietnam deutet Kissinger zu einer "Art Sieg" um, selbst die geheimen Flächenbombardements, die das benachbarte Kambodscha in eine Katastrophe stürzten, verteidigt er. Die USA hätten mit ihrem Krieg im Interesse der Südvietnamesen gehandelt, davon ist der gealterte Staatsmann felsenfest überzeugt. Parallelen zum Irak drängen sich auf. Laut Zeit hört das Weiße Haus nach wie vor auf Kissinger. Kein ermutigendes Zeichen. .


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