Buch der Stunde

Natur mag Dreck

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 27/07 vom 04.07.2007

Die Klimadebatte kühlt langsam ab, der Weltuntergang wird gerade wieder mal abgesagt. Gänzlich außerhalb dieses Pendelschlags medialer Aufgeregtheiten zwischen Apokalypse und Entwarnung bewegt sich "Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends". Darin rekonstruiert der Münchner Zoologe Josef Reichholf die Temperaturentwicklung Mitteleuropas von der Völkerwanderung bis in die Gegenwart und verfolgt deren Einflüsse auf Flora und Fauna, vor allem aber auf die Zivilisationsgeschichte. Beispielsweise stieg das Bier erst zum Volksgetränk auf, als der Weinbau in der "kleinen Eiszeit" des 16. und 17. Jahrhunderts allmählich nach Süden verdrängt wurde. Reichholf zeigt, wie sich das Mit- und Gegeneinander von Mensch und Natur auf Artenvielfalt und-dichte ausgewirkt hat, und kann etwa belegen, dass die Natur in ihrer eigenwilligen Dynamik mitunter profitiert, wenn sie Dreck zu fressen bekommt: Die sauberen Seen und Flüsse der Naturschutzgebiete sind bestandsärmer als mit Abwässern


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