Fragen Sie Frau Andrea

Die Last am Kopf

Stadtleben | aus FALTER 27/07 vom 04.07.2007

Liebe Frau Andrea,

wissen Sie weiter? Warum tragen Frauen in Afrika Dinge auf dem Kopf? Warum machen das die Männer nicht? Und warum trägt niemand in Österreich Sachen auf dem Kopf herum? Ich würde das gerne machen, traue mich aber nicht wirklich, obwohl es sicher Sinn macht und praktisch ist, gerade im Gedränge. Gibt es Für und Wider?

Herzlich, Lothar Bodingbauer

Lieber Lothar,

Männer machen vieles nicht, was bei Frauen gerne gesehen wird. Auch in Afrika. Dort tragen sie Dinge auf dem Scheitel. Ihr Schritt ist grazil und anmutig, die Last scheint über ihren Köpfen zu schweben. Für sperrige Lasten nehmen sie eine Kata zu Hilfe, ein Tuch oder ein Blatt, das gefaltet und zu einem Polsterring gedreht wird. Für weiche Lasten wie einen Sack Mehl braucht man kein Kata. Afrikanische Frauen können beim Gehen weit höhere Wirkungsgrade erzielen als die trainiertesten Marines, paradoxerweise jedoch nur dann, wenn sie dabei eine große Last auf dem Kopf tragen. Balancieren sie rund zwanzig Prozent ihres Körpergewichts auf dem Scheitel, so haben Forscher ermittelt, setzen diese Frauen ihre Energie zu über achtzig Prozent in Vorwärtsbewegung um. Das Rätsel liegt in der Natur des Ganges, der dem Schlagen eines verkehrten Pendels gleichkommen soll. Kleine Mädchen schauen den grazilen Gang von den älteren Frauen ab. Später im Leben lässt sich die Technik nicht mehr so leicht erlernen. Auch in Österreich nicht. Der Lohn des hohen Ganges ist groß: Kopfträgerinnen schweben in Anmut, kennen aber weder Rückenschmerzen noch Kopfweh.


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