Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 28/07 vom 11.07.2007

Diese Kolumne ist da, damit wir uns gemeinsam das langsame Vergehen der Zeit vergegenwärtigen. Statt über diesen Satz nachzudenken, kommen wir zum Thema, zum vor ziemlich genau zwanzig Jahren, am 9. Juli 1987, verstorbenen Ökonomen Eduard März, einer Galionsfigur des österreichischen Sozialismus (das hieß damals noch so). Christian Reder führte mit März wenige Wochen vor dessen Tod ein Gespräch, das sich in einzelnen Passagen - wie man sagt - bestürzend aktuell liest.

Reder sprach von staatlichem und privatem Eigentum und davon, dass man in Österreich nach dem Motto "Privatisierung der Gewinne, Verstaatlichung der Verluste" bei Rettungsmaßnahmen im wirtschaftlichen Krisenfall stets nach dem Staat gerufen habe.

Das sehe er genauso, sagte März. "Wenn sich die Wirtschaft in der Krise befunden hat, war die Scheu nie groß, staatliche Sanierungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen; als Entprivatisierung sozusagen. Heute wiederum soll es durch Privatisierung lukrativer Unternehmen, wie etwa der E-Wirtschaft, genau umgekehrt laufen. Mit diesem Trend aber müssen wir vorläufig rechnen. Wir sind hier total in der Defensive, und es muss auch zugegeben werden, dass der Staat dringendst Zuschüsse aus dieser Richtung braucht." Reder kam auf den Bankenapparat zu sprechen und darauf, dass als Käufer von Privatisierungen hauptsächlich ausländische Unternehmen infrage kämen. Ein Drittel aller österreichischer Unternehmen sei nicht mehr in österreichischem Eigentum.

März: "Ja, und wir können uns langsam ausrechnen, an welchem Tag es die Hälfte und mehr als die Hälfte sein wird. Schon aus diesem Grund müssten wir versuchen, die Position der verstaatlichten Industrie zu halten, da ansonsten unsere Industrie- und sogar die Wirtschaftspolitik immer mehr ferngesteuert werden." Wen stört es heute, dass es längst so gekommen ist? A. T.


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