Film

Quentin allein im Grindhouse

Kultur | Michael Pekler | aus FALTER 29/07 vom 18.07.2007

Zwischen Sammeln und Fleddern gibt es einen Unterschied: Der Sammler bringt eine Liebe mit für seine Objekte, der Fledderer ein Begehren. Quentin Tarantino, Videothekar und bekennender Filmfledderer, hat wieder im Mülleimer der Kinogeschichte gewühlt, sich der Ästhetik der billigen Highwayfilme der Siebziger bemächtigt und mit Millionenbudget einen Film namens "Death Proof" gedreht. Ein problematischer Ansatz: Wenn Kurt Russell als "Stuntman Mike" sich auf ein Duell mit einer Gruppe Mädchen einlässt und in einem zweigeteilten Film einmal als Sieger, einmal als Verlierer auf der Straße bleibt, dann rettet Tarantino natürlich nicht Kinogeschichte vor dem Vergessen. Denn der Geist, der das raue Trash-Kino der Siebziger bestimmte, ist nur aus dessen eigenem politischen und ökonomischen Umfeld zu erklären - weshalb "Death Proof" nicht als Hommage zu verstehen ist, sondern als sich selbst genügende Aneignung.

Deshalb funktioniert "Death Proof", wie sorgsam seine Bilder mitunter auch komponiert sein mögen, in erster Linie als Referenzsystem, inklusive seinem den sogenannten Grindhouse-Filmen angepassten Look mit Schrammen, Kratzern und Abnützungen aller Art. Die Tradition des Double Feature, die Tarantino und Robert Rodriguez ("Planet Terror", ab 24.8.) als "Grindhouse"-Paket aufleben lassen wollten - in Europa starten die Filme in längeren Fassungen und einzeln -, verursachte an der US-Kinokassa allerdings einen Crash. Aber darin hat "Stuntman Mike" wenigstens Erfahrung.

Ab 20.7. im Kino (OmU Votiv, OF Burg).


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