Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 29/07 vom 18.07.2007

Sex

Rohrkrepierer (4) Auch Lifestyligkeit kann libidodämpfend wirken. Die beiden waren cool. Und schöne Menschen. Er ein bisschen Typ Ethan Hawks, sie Gwyneth Paltrow. Gerade weil sie so gut zueinanderpassten, hatten sie's bald echt fad miteinander. Zudem teilten sie ein Faible für japanische Ästhetik. Ab und zu blätterten sie, wenn das Abendsushi verzehrt und Wiener Elektronik aus den schwedischen Designerboxen zirpte, gemeinsam in hochpreisigen japanischen Fotobänden, die häufig hochraffinierten Bondageschweinkram beinhalteten. Perfekt ausgeleuchtete Japanerinnen, mit handgewirktem Tauwerk perfekt verschnürt. Natürlich mussten sie das auch einmal probieren. Dann, so mittendrin, kam ihm die Erinnerung an seine singuläre Unbegabung zum Handwerklichen. Daran, dass er als Einziger in der Klasse regelmäßig in Werken gefährdet war. Daran, dass er einmal versucht hatte, einen Rollbraten zu verschnüren. Und wie das Ergebnis ausgesehen hatte. Ähnlich nämlich. Verdammt ähnlich. Zu ähnlich ...

Heidi List

Fussball

Team Canada Am Samstagabend saß jeder zehnte Österreicher vor dem Fernseher und schaute Fußball. Kein Wunder: Wann ist eine österreichische Nationalmannschaft schon im WM-Viertelfinale? Und war es nicht sensationell, wie engagiert, cool und clever unser blutjunges Team (keiner über 20!) die Amerikaner ausschaltete? Der kleine Schönheitsfehler: Es handelte sich um die Unter-20-Weltmeisterschaft, die normalerweise jedem wurscht ist. Erst in der Euphorie, die das Nachwuchsturnier in Kanada bei ein paar von uns auslöst, zeigt sich das wahre Elend des österreichischen Fußballfreunds. Gierig wie ein hungriger Straßenköter schnappt er nach jedem Knochen, verzweifelt bejubelt er Kicker, die er bis vor kurzem nicht einmal dem Namen nach kannte. Egal: Die Burschen sind ja wirklich eine Freude. Immer wieder Österreich!

Wolfgang Kralicek


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