Fernsehen

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 30/07 vom 25.07.2007

Die Festung Europa öffnet die Tore - und schickt ihre räudigen Bürger hinaus in die Welt. Interessant, wie sich eine Tatsache durch diverse Auswanderer-Dokusoaps zieht (u.a. "Goodbye Germany", Vox, Di, 20.15 Uhr, "Mein neues Leben XXL", Kabel 1, So, 20.15 Uhr): Die Auswanderer leben in der Regel von Hartz 4, haben null Perspektive, aber dafür drei Kinder und wollen irgendwo noch einmal ein besseres Leben beginnen, nachdem sie es daheim vergeigt haben - dafür haben sie meist nicht mehr als 3500 Euro Familienvermögen dabei und sprechen kaum ein Wort Englisch. Ein Trauerspiel, wenn man zuschaut, wie die Verlierer aus dem Dresdner Sozialbau dann in einem texanischen Kaff landen und dort erst wieder zum white trash gehören, halt nur mit mies bezahlten McJobs statt Sozialhilfe. Der einzige Vorteil: Niemand kennt sie, sie können in die Anonymität des großen, fremden Landes eintauchen. Verkehrte Welt - die Modernisierungsverlierer verlassen Europa auf der Suche nach einer zweiten Chance. Und die afrikanischen Ärzte kommen nach Europa, um hier Teller zu waschen oder Taxi zu fahren.


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