Buch der Stunde

Lyrik-Prüfstelle

Kultur | Armin Thurnher | aus FALTER 30/07 vom 25.07.2007

Der Lyriker Steffen Jacobs hat Sinn für Humor. Sein "Lyrik-TÜV" verbindet Poesie und Witz, eine organische Verbindung, mit der man trotz Ernst Jandl, Peter Rühmkorf oder Robert Gernhardt in unseren Breitengraden nicht rechnet. Ganz anders als in England, wo es tatsächlich eine gelebte Kultur der Dichtung gibt. Bei uns sieht man die Aufgabe der Lyrik eher im Weihedienst als im Dienst lustig-listiger Entweihung.

Jacobs' Idee ist einfach und bestechend. Er wählt für jedes Jahrzehnt der letzten hundert Jahre einen ihm repräsentativ erscheinenden Dichter aus und prüft dessen Lyrik auf Funktionstüchtigkeit. Dass es dabei zu Ungerechtigkeiten kommt, versteht sich von selbst. Die Begründungen für die Auswahl muten denn auch nicht immer stichhaltig an. Ernst Jandl beispielsweise muss draußen bleiben, weil sein erster Gedichtband erst 1966 erschienen und "dummerweise eines seiner schwächeren Bücher" sei. Das stimmt nicht, und auch das Datum ist falsch: Jandls Erstling erschien 1956 und


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