Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 31/07 vom 01.08.2007

Vor 20 Jahren gab es in diesem Land schon einmal einen Sozialminister, der sich gern einmischte. Er hieß Alfred Dallinger und war seit seinem Eintritt in die Regierung Kreisky III im Jahr 1980 so etwas wie das linke Gewissen der SPÖ. 1989 verunglückte er beim Absturz eines Flugzeugs in den Bodensee tödlich. Im Rahmen seiner Serie "Sozialstaatsbankrott" befragte ihn Werner Vogt.

Vogt: Der Missbrauch der Arbeitslosendiskussion ist sicher größer als der Missbrauch real?

Dallinger: Sicher

Und was die "Kronen Zeitung" verbreitet hat, damit sind Teile der Regierungsmannschaft durchaus einverstanden gewesen…

Ich würde das nicht nur auf Teile der Regierung beziehen. Das Gerede vom Sozialschmarotzer ist ja allgemein verbreitet. Ich erlebe das ja auch in Parteidiskussionen, in öffentlichen Versammlungen. Die erste Frage ist nicht, wie bekämpfen wir die Arbeitslosigkeit. Im Vordergrund steht die Empörung über den angeblichen Missbrauch. Diese kleinbürgerliche Verhaltensweise in den eigenen Reihen macht betroffen.

Dagegen haben Sie jetzt eine Offensive geplant?

Es wäre notwendig, dass auf breiterer Basis von anderen dagegen aufgetreten wird, denn dass ich das mache, ist ohnehin klar. Letztlich bin ich ja der Anwalt der Betroffenen. Aber es müsste auf breiterer Basis da einmal eine Gegenbewegung gemacht werden. Die Solidarität ist in unserem Lande nicht sehr ausgeprägt.

Unter den "Alternativbeamten" hier im Hause wächst die Angst (…) dass zuerst Dallingers Sozialstaatspolitik abgeschafft wird und dann der Dallinger selbst.

Na, also bei uns braucht überhaupt keine Angst zu grassieren, weil die Gesamtlinie sich in keiner Weise verändert hat. Aber natürlich gibt es eine Grenze an finanziellen Möglichkeiten. A.T.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige