Slawek wartet jeden Tag

Politik | Saskia Jungnikl, Sophie Preisch, Florian Vetter, Birgit Wittstock | aus FALTER 31/07 vom 01.08.2007

ARBEIT I Die Wirtschaft boomt, der Wohlstand steigt, die Grenzen sind offen. In Wien aber blüht wieder ein Phänomen auf, das man längst bewältigt glaubte: der Arbeiterstrich.

Die meisten von ihnen machen sich gar nicht erst die Mühe auszusteigen. Langsam rollen sie an den Wartenden vorüber und mustern sie kühlen Blicks. Wenn ihnen gefällt, was sie sehen, kurbeln sie die Fensterscheiben herunter und beginnen grußlos die Verhandlungen. Kurz, knapp, aufs Wesentliche fokussiert. Bei Slawek weicht in diesen Situationen die Spannung aus dem Körper.

Slawek ist Pole. Slawek ist Maurer. Slawek ist billig. Frühmorgens, wenn die Stadt noch schläft, steht er in der Ottakringer Herbststraße. Schon in seiner Jugend hat er gelernt, wie man Beton mischt und Ziegeln schupft. Sein Geld will er abends bar auf die Hand. Slawek ist knapp dreißig, sieht aber aus wie 23. Er hat ein Mondgesicht, das leicht rot anläuft, seine Haare sind strohblond und schütter, trotz seiner eher kleinen Statur und


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