Requiem für einen Spion

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 31/07 vom 01.08.2007

GEORGE TABORI (1914-2007) Der große ungarisch-englisch-deutsche Dramatiker und Regisseur ist gestorben. Einige seiner besten Jahre verbrachte der Theatermacher in Wien.

Als George Tabori vier Jahre alt war, besuchte er mit seiner Familie in Budapest eine Zirkusvorstelllung, die er nie vergessen sollte. Eine junge Seiltänzerin stürzte ab und lag verletzt auf dem Boden der Manege. Der kleine George war noch viele Jahre lang davon überzeugt, dass sich der Vorfall bei jeder Vorstellung wiederhole. "Heute noch, wenn ich ins Theater gehe, erwarte ich etwas in dieser Art", meinte er später. "Und ich gehe enttäuscht weg, wenn es nicht passiert." Klingt grausam, ist aber wahr: Scheitern muss im Theater jederzeit möglich sein.

Als George Tabori vor ziemlich genau zwanzig Jahren nach Wien kam, war er schon über siebzig und eine lebende Legende. Der ungarisch-englische Regisseur aus Deutschland galt als Guru des alternativen Theaters und wollte am Wiener Schauspielhaus fortsetzen, was er in den


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