Um Schamhaaresbreite

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 31/07 vom 01.08.2007

LITERATUR In seinem jüngsten Roman "Am Strand" schildert Ian McEwan die Katastrophe einer knapp vor ihrem Vollzug scheiternden Ehe und schreibt seine Phänomenologie des Paares fort.

Paare sind eine banale und zugleich rätselhafte Existenzform: Die Welt ist voll von ihnen, aber wer weiß wirklich Bescheid über die Gesetze, nach denen sie funktionieren - oder eben auch nicht? Der britische Romancier Ian McEwan hat sich immer schon für die abgründigen Aspekte der Zweisamkeit interessiert, für das Zusammenspiel an Anziehungs- und Fliehkräften, das diese Doppelwesen bestehen oder auseinanderbrechen lässt. In seinem spätestens durch Paul Schraders gleichnamige Verfilmung (1991) berühmt gewordenen Roman "Der Trost von Fremden" ("The Comfort of Strangers", 1981) wird das Aufeinandertreffen zweier Paare in Venedig zur tödlichen Konfrontation: Die gewalttätigen Fantasien, die Colin und Mary als erotischen Kick benutzen, werden blutige Wirklichkeit, sobald das ältere Paar (im Film dargestellt

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