Enttäuschend echt

Stadtleben | Tex Rubinowitz | aus FALTER 31/07 vom 01.08.2007

RENDEZ-TEX (3) Unser Autor trifft diese Woche Robert Menasse im Café Sperl, wo man dem Schriftsteller einen Altar errichtet hat..

Robert Menasse sieht fantastisch aus, eben kommt er von einer konsonantenreichen kroatischen Insel zurück. Er sieht aus wie 31, kein einziges graues Haar, faltenfrei und glatt das Gesicht. Lediglich eine winzig kleine Haarinsel hat er beim Rasieren vergessen, auf Höhe des linken Kiefergelenksköpfchens, aber das ist generell ein neuralgisches Terrain beim Manne.

Wir treffen uns im Café Sperl, hier hat man einen Altar für ihn errichtet, seine Werke liegen auf, sein Porträt hängt, schief baumelnd, an einer Angelschnur. Wir sitzen in der Billardabteilung, am vorletzten Fenstertischchen, also so, dass er nicht direkt unter seinem Bild sitzen muss. Das sei sein Lieblingstisch hier, meint der an einer Plastikzigarette saugende "Herr Doktor", wie man ihn hier anredet, am Ende der Zigarette glimmt ein Glühbirnchen bei jedem Zug auf, aus irgendwelchen Rillen quillt


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