Standpunkt

Mitten im Schwarzen

Politik | aus FALTER 32/07 vom 08.08.2007

Wer auch immer zu Ferienbeginn den Slogan der ÖVP-Sommerplakate ("Mitten im Leben") erfand, muss hellseherische Fähigkeiten gehabt haben. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die Volkspartei ihrer selbstgewählten Urlaubszeitprogrammatik, die wohl nicht von ungefähr an den Vorabendheuler "Mitten im 8en" erinnert, binnen kürzester Zeit gerecht wurde. Und sie musste sich nicht einmal besonders anstrengen: Es reichte aus, einige ausgesuchte Vertreter der Partei mitten im Sommerloch frei über das Thema Bildung assoziieren zu lassen. Was da alles an packenden Dialogen, überraschenden Wendungen und saftigen Widersprüchen produziert wurde, lässt sicher auch hartgesottene holländische Endemol-Skriptschreiber erblassen, die die Vorlage für die gefloppte Austrosoap lieferten. Einige Highlights: Der Generalsekretär der Partei will Aufnahmeprüfungen für Gymnasien, sein zuständiger Minister nicht. Der oberste Lehrergewerkschafter fordert Bildungstests für Dreijährige, sein Klubobmann dementiert umgehend. Die thematisch verantwortliche Perspektivengruppe legt ein Konzept vor, dass von Teilen der Partei als - man beachte das kreative Wortspiel - "Rohr(staberl)krepierer" niedergemacht wird. Und der Big Boss dieser lustigen Parteigesinnungsgemeinschaft, Wilhelm Molterer, vertröstet uns Zuseher auf ein Happy End im Herbst. So sichert man sich Quoten. B. T.


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