Kommentar

Bücherherbst: Wer soll das alles lesen?

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 32/07 vom 08.08.2007

Die Nachrichten sind zwar nicht so apokalyptisch wie die aus der Musikindustrie, aber auch die Verlagsbranche wird mit schöner Regelmäßigkeit von melancholischen Anfällen gebeutelt. Über weitverbreitete Globalisierungsfolgen wie die zunehmende Konzentration des Geschäfts in den Händen mächtiger Verlagskonzerne und Buchhandelsketten wird dabei ebenso geklagt wie über die Gefährdung der Vielfalt und die generelle Überproduktion.

In sich logisch ist das nur sehr bedingt. Wer sich darüber beschwert, dass immer mehr Menschen dasselbe lesen, kann nicht auch noch daran Anstoß nehmen, dass die Verlage generell zu viele Titel herausbringen. Es sei denn, er macht just das überreiche Angebot für die Monopolisierungstendenzen im tatsächlichen Konsum verantwortlich. Psychologisch ist das keineswegs falsch gedacht. Fast alle Menschen reagieren auf die Zunahme an Wahlmöglichkeit irgendwann einmal mit Verweigerung. Man kennt die Festivaldepression: so viele Konzerte, Filme, Lesungen, die


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