Buch der Stunde

Fotogene Opfer

Kultur | Oliver Hochadel | aus FALTER 32/07 vom 08.08.2007

Hunderttausende fliehen 1994 aus Ruanda, im Fernsehen die üblichen Tränendrückerbilder. Bitte genau hinschauen! Die vermeintlichen Opfer sind die Täter. Es sind Hutus, darunter viele Mörder, die sich aus Angst vor der Rache der Tutsi davonmachen. 1999: Unruhe in einer Hotellobby in PrisÇtina im Kosovo. Ausländische Journalisten fragen sich, was heute auf dem Programm steht. Endlich die erlösende Auskunft: "Die Massengräber!", und alle stürmen hinaus. 2001: Afghanistan, kurz nach dem Sturz der Taliban. Die österreichische Reporterin interviewt gefangene Gotteskrieger - und kann sich die Provokation nicht verkneifen, das Kopftuch herunterrutschen zu lassen und sich eine Zigarette anzustecken. Bilder lügen. Alle berichten das Gleiche. Journalisten sind auch nur Menschen.

Drei Episoden aus "Dilettanten unterwegs". Fast zehn Jahre war Sibyille Hamann fürs Profil als Auslandskorrespondentin unterwegs, sechs ihrer Reportagen sind im zweiten Teil wieder abgedruckt. Im ersten Teil, vier


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