hundert jahre zeitausgleich

Johannes Schrettle | Stadtleben | aus FALTER 33/07 vom 15.08.2007

Wo bist'n du?

Nur die echten Mobilfunkpioniere können sich noch an die Zeit des B-Netzes erinnern, das in Österreich ab 1974 in Betrieb ging. Das Fräulein von der Vermittlung war für die Mobiltelefonierer damit Geschichte, dafür musste man immer beim Wählen wissen, in welcher Zone sich der andere gerade befand. Da könnte man ja gleich warten, bis er nachhause kommt, oder seine Kusine mit einem Brief um den Hals losschicken. Schließlich lebt das mobile Telefonieren gerade davon, dass keiner weiß, wo der andere sich aufhält, was dieser andere wiederum weiß und für sich zu nutzen versucht. Hier kommt die kritische Öffentlichkeit ins Spiel: Wie reagiert sie, wenn wir im 3er Richtung Hauptbahnhof einen Manager mit fiesem Blick und 25-jähriger Begleitung am Handy sagen hören, er sitze gerade im Bus Richtung Köflach, um dort seiner Mutter Gesellschaft zu leisten? Man kann ja nicht jedes Mal eine Kolumne schreiben. Sollte man ihn höflich, aber laut auf den Fehler aufmerksam machen? Oder reicht es, abschätzig-tadelnde Blicke zu werfen? Ein Schlag mit einem Nokia (o.ä., ist aber das Stabilste) direkt ins Gemächt des Mannes wäre auch eine Möglichkeit gewesen, denn es gibt ohnehin viel zu viele davon. Also Telefone jetzt. Über neun Millionen nämlich. Und die meisten haben keinen Speicherplatz mehr für Nachrichten und deshalb geht auch in Beziehungen momentan nichts weiter.


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