Triumph des Eigensinns

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 33/07 vom 15.08.2007

Rezension Michael Köhlmeiers voluminöser Roman "Abendland" erzählt von den Abgründen des 20. Jahrhunderts. Dabei verschränkt er Welt-mit Familiengeschichte, ohne seine wunderbaren Figuren ans Exemplarische zu verraten.

Michael Köhlmeier hat etwas von einem Volksbildner: Er hat die Bibel nacherzählt, Shakespeare, das Nibelungenlied und die Sagen des klassischen Altertums. Auch seine letzten beiden großen Romane, "Telemach" (1995) und "Kalypso" (1997), bedienen sich bei Homer. Was danach an eigener Prosa erschien, war zwar nicht wenig, bewegte sich aber hauptsächlich im 150-, 100-, ja zuletzt gar im 50-Seiten-Bereich ("Der Spielverderber Mozarts"). Und jetzt das! Auf 776 Seiten legt Köhlmeier sein Opus magnum vor, und damit so richtig geklotzt wird, heißt der Roman auch noch gleich "Abendland".

Es ist das mit Abstand ambitionierteste Buch eines österreichischen Autors, das in diesem noch jungen Jahrhundert erschienen ist, und man muss sogar weit ins vergangene zurückgehen, um auf


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