Sankt Gutmensch


Andrea Maria Dusl
Politik | aus FALTER 34/07 vom 22.08.2007

POLEMIK Über die Krise der Anständigen, die in die Falle gerieten.

Als die Welt kopfstand, war sie noch in Ordnung. Als der Millimetternich sich mit dem Bärentaler paarte. Es war eine Welt, wie sie die Szenaristen des Grauens entworfen hatten. Schüssel kletterte auf den Bundeskanzlersessel, in die Ministerien torkelten Witzfiguren. Die EU stellte das Land unter politische Quarantäne. Der erste Winter des neuen Jahrtausends begann mit dem Armageddon des guten Menschen, dem Bürgerkrieg der Worte.

Wer das Herz am linken Fleck verspürte, ging auf die Straße. Das Auf-die-Straße-Gehen, es hatte etwas Heiliges. So hatten wir Zwentendorf verhindert, das Kraftwerk in Hainburg, so waren wir dem Aufkeimen des Sonnenstudiofaschismus begegnet, dem tumben Ausländerhass, der Verklärung der Kriegsgeneration. Die Straße hatte was Gutes. Auf der Straße war schließlich auch die DDR abgetragen worden. Und das Regime in so manch anderem Ostblockstaat. Friedlich, mit Schlüsselbund und Kinderwagen.

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