Das Dorf und der Krieg


Florian Klenk
Politik | aus FALTER 34/07 vom 22.08.2007

Gerade war hier noch Mord und Vertreibung. Nun wird Kroatien Teil der EU. Ist der Hass schon Geschichte? Eine Reise zur Schriftstellerin Slavenka Drakulic´, die Kriegsverbrecher bei Gericht besuchte.

Friedlich scheint die Welt, die Slavenka Drakulic´ zu Füßen liegt. Sie steht auf ihrer Terrasse im winzigen Bergstädtchen Sovinjak und blickt hinunter auf Weingärten, Zypressen und Feigenbäume. Sie trägt Schwarz, wie viele Frauen hier. Aber mit diesen goldenen Turnschuhen und ihren knallroten Ohrringen passt sie nicht so richtig in dieses verschlafene Dorf. Sie ist ja auch eine Städterin, eine Weltbürgerin. Die Nachbarn grüßen sie mit Respekt.

Drakulic´s Blick schweift über kroatische Dörfer, die hier wie in einer Märchenlandschaft auf den Gipfeln der Berge hocken. "Da drüben", sagt sie und deutet auf einen Hügel, "da liegt Zamask. Einst war eine Kette durch den Ort gespannt. Die markierte die Grenze zwischen Habsburgs Österreich und Venedig." Es leben kaum noch Menschen in

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