Presseschau

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 34/07 vom 22.08.2007

Wie weit liegen Qualitätsjournalismus und Boulevard auseinander? Sieben Seiten. Zumindest hat der Kurier dieses Kunststück vergangenen Mittwoch zusammengebracht. Auf Seite 2 schreibt Anneliese Rohrer über "Gossenjournalismus", allerdings unter Verabsäumung eines Hinweises auf ebensolchen einige Seiten weiter hinten. Dort, im Chronikteil, geht es dann ans Eingemachte: "Der Elsner" habe nämlich "geschnarcht" und zwar "als wie" ist zu erfahren. Der gesprächige Zeuge der Schlafgewohnheiten des ehemals angesehenen Bawag-Direktors schildert im Kurier-Interview seine Zeit mit dem prominentesten U-Häftling im Knast. Sogar eine medizinische Diagnose darf der Knacki abliefern: "Ob er Elsner leidend erlebt hat?", fragt der Kurier. "Beim Pokern oder wenn er beim Reden impulsiv worden is', hat ihm nix g'fehlt. Er hat halt an Aufmerksamkeitsdrang", analysiert der Ex-Mithäftling. Abgesehen davon, dass auch Schnarchen zur Privatsphäre zählen sollte, und eine solche besitzen auch U-Häftlinge, hat es eine Zeitung wie der Kurier wirklich nötig, einen auf Österreich zu machen?


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige