Fernsehen

Medien | Stefan Apfl | aus FALTER 34/07 vom 22.08.2007

Ein Jahr lang hat es gebraucht, um Natascha Kampusch in die Fernsehgewohnheiten dieser Nation einzubetten. Genauer gesagt: einen Jahrestag. Ihr erster Auftritt im ORF war noch großes internationales Kino. Seit vergangenem Montag ist er nationales Ritual. Die Neujahrsansprache des Bundespräsidenten, die Faschingsnarretei in Villach, die Herren-Abfahrt in Kitzbühel - es gibt Dinge, die gibt es eben. Immer wieder, einmal pro Jahr. Das traurige Mädchen aus dem Keller gehört von nun an zu den Fixsternen am heimischen Fernsehhimmel. Doch Kampusch ist nicht Politik, nicht LeiLei, nicht Sport. Und gerade deswegen hat sie den Montagabenden dieses Landes noch gefehlt. Vom Entführungsopfer zum Einschaltimpuls - kein Zynismus, Reality-TV. Ermöglicht durch öffentlich-rechtliches "Draufhalten" im Auftrag des Mitgefühls. Ob ihr Kameras unangenehm seien, hat sie der scheinbar sensible Christoph Feurstein gefragt und sie dabei gefilmt. Ja, hat sie gesagt, und ihn dabei gefilmt. Wie schlimm, hat sich ein Land dabei gedacht und in den Fernseher geschaut. Nicht zum letzten Mal.


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