Kommentar

Die ewige Arbeit am Kanon

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 34/07 vom 22.08.2007

Selbstverständlich ist jeder seriöse Kulturfreund gegen Charts, Rankings und Bestenlisten. Nichts als Hysterie und Hype einer sich an der eigenen Betriebsamkeit berauschenden Gegenwart. Und welche Souveränität, wenn der in den ruhigen Gewässern konservativer Kulturkritik und katholischer Kontemplation sanft dahinpaddelnde Redakteur eines Wochenendfeuilletons sich dann als Fürsprecher der Literatur gerieren kann, indem er die bei einem Wettbewerb vorgelesenen Texte samt und sonders als "Knetmasse" schnöder Eventhaftigkeit abtut - bloß weil W.G. Sebald 1990 nicht den Bachmann-Preis gewonnen hat. So kann man es dann 17 Jahre danach und für alle nachfolgenden Zeiten immer schon gewusst haben.

Keine Frage: Der Herstellung von Verhältnismäßigkeit ist die fiebrige Suche der Medien nach der Band oder dem Buch der Stunde, der Saison oder des Jahrhunderts nicht gerade förderlich, aber auf die Dauer kann einem der knasterbärtige Hinweis auf den Höhenkamm des Kanons, auf die Beatles und


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