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Kultur | aus FALTER 34/07 vom 22.08.2007

ROMAN

Roberto Bolaño: Chilenisches Nachtstück

Wer mag er wohl sein, dieser "vergreiste Grünschnabel", für den der Icherzähler noch am Totenbett zur nocturnen Rechtfertigungsrede ansetzt? Anfangs zeigt sich der Priester, Literaturkritiker und Dichter Sebastián Urrutia Lacroix in seinem weit ausholenden Monolog noch empört ob der gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Aber recht schnell bröckelt die Fassade der Selbstgerechtigkeit und die verfolgende Instanz erweist sich als nichts anderes als das eigene Gewissen: "Ich sterbe jetzt, aber vorher habe ich noch einiges zu sagen." Nicht die Berufung zu Gott, sondern die Begegnung mit dem diabolisch gezeichneten Literaturkritiker Farewell stellt das Schlüsselerlebnis in Lacroix' Jugend dar. Sie lässt bei dem jungen Priester den Wunsch aufkeimen, selbst eine Rolle im Kulturbetrieb zu spielen. Bolaños brillante Sprache trägt den Leser von angedeuteten Geheimnissen - Ekel vor Armut, Homosexualität, Verstrickungen mit Opus Dei - zur realen Schuld,


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