Nüchtern betrachtet

Eine Gogolbüste aus grünem Plastilin

Kultur, FALTER 34/07 vom 22.08.2007

Das Müssen und Dürfen wird in St. Petersburg (und vermutlich auch im Rest Russlands) durch unsichtbare Mächte geregelt, von denen man nicht genau weiß, ob sie postzaristisch, postsowjetisch, postdemokratisch, neooligarchisch oder prähistorisch sind. Durch Nachfragen lässt sich das eher nicht klären, Nachfragen ist generell keine so gute Idee. Meine landeskundlich und sprachlich versierte, mit dem Betreten russischen Bodens aber der vollständigen Autorussifizierung anheimgefallene Frau beschränkte sich darauf, die Gebote weiterzugeben. "In der U-Bahn ist Fotografieren strengstens verboten", herrschte sie mich an, sobald ich den Fotoapparat untertags in Anschlag brachte. "Wieso? Davon steht hier aber nirgends was?!" "Es ist aber so! Bilde dir ja nicht ein, dass ich russisch rede, wenn sie dich verhaften!" Ein andermal beobachtete ich das zahlreich vorhandene Servierpersonal eines Touristenlokals dabei, wie es einzelne Tellerchen und Tässchen vorbeitrug und an den Tisch ihrer Bestimmung

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