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Politik | Christian Maier | aus FALTER 35/07 vom 29.08.2007

ARMUT Frau Steiner sammelt Hofer-Prospekte und lebt von achtzig Euro im Monat. Ihre Nachbarn und der Kaufmann an der Ecke sollen das nicht wissen. Wer kein Geld hat, ist auf dem Land doppelt arm.

Frau Steiner* hätte der Sachbearbeiterin auf der Bezirkshauptmannschaft Knittelfeld gerne gesagt, dass niemand vor Armut gefeit ist. Und dass sie selbst niemals gedacht hätte, so tief zu fallen. Dass sie zweimal ihre Wohnung gegen eine kleinere tauschte, ehe sie um Sozialhilfe ansuchte. Und dass ihr Tonfall deswegen unangebracht sei. Aber Frau Steiner hat all das nicht gesagt, sie legte lediglich ihr Einkommen von 576,-Euro offen und hörte: "Ihnen geht es ja gut, was wollen Sie überhaupt hier?"

Das war im Jahr 2001, Frau Steiner hatte sich gerade von ihrem Mann getrennt und eine kleine Plattenbauwohnung in einer obersteirischen Gemeinde bezogen. Da die Unterhaltszahlungen ihres Ex-Gatten kaum ausreichten, um Miete, Strom und Lebensmittel zu bezahlen, musste sie mit ihren alten Möbeln siedeln.


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