Standpunkt

Zwangsouting

Politik | aus FALTER 35/07 vom 29.08.2007

Aus Jugendtorheiten soll man niemandem einen Strick drehen, meinte einst Kanzler Alfred Gusenbauer. Die Empörung war groß, schließlich bezog sich der Satz auf die Wehrsportübungen des FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache, der bis heute nicht als geläuterter Rechtsaußen durchgehen würde. In dessen damaligem Umfeld gibt es aber zumindest eine Person, für die dieses autobiografische Credo gelten muss. Das sollten gerade jene Medien respektieren, die sich den Kampf gegen den politischen Rechtsextremismus aufs Titelblatt geschrieben haben. Tun sie aber nicht. Gleich mehrmals outete Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner letzte Woche einen ehemaligen Strache-Waldkameraden mit vollem Namen. Zu Unrecht. Denn der Betroffene hat sich schon lange glaubwürdig vom Gedankengut jener Tage distanziert und lebt heute ein normales, bürgerliches Leben. Andere Medien begnügten sich damit, seinen Vornamen und den Initial seines Nachnamens abzudrucken - wenn überhaupt. Nur die tollkühne Reporterriege von Österreich fand es nicht einmal die Mühe wert nachzufragen, warum er damals in die Neonaziszene abdriftete. Geschweige denn zu erörtern, wie er heute darüber denkt. Dabei hätte ein Anruf genügt. Aber das hätte geheißen: Recherchieren statt auf Kosten von Menschenschicksalen billige Schlagzeilen zu machen. B. T.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige