Theater

Die letzten Stunden einer Heiligen

Kultur | Bettina Hagen | aus FALTER 35/07 vom 29.08.2007

Der argentinische Comiczeichner Copi (Raúl Damonte Botana) hat eine 1971 uraufgeführte Satire über die letzten Stunden im Leben der "Evita Perón" geschrieben, die sich Hubsi Kramer nun im 3raum-Anatomietheater vornahm. Kramer selbst verpasste sich eine kränklich blasse und unbewegliche Interpretation des Perón. Das Stück verbreitet das Bild einer Evita, der die heiligenartige Verehrung ihres Volkes so sehr zu Kopf gestiegen ist, dass sie sogar den Menschen in ihrer engsten Umgebung nur noch mit Verachtung begegnet. Es ist nicht verwunderlich, dass der Kunstfigur Lucy McEvil die Rolle der Diva gut steht, doch wirklich böse ist sie nicht. Ganz anders Elisabeth Prohaska als ihre Mutter, die in die ansonst stark stilisierte Zeichnung der Figuren Lebendigkeit und südamerikanisches Temperament bringt. Dieses südamerikanische Flair fehlt ansonsten ein wenig, wodurch das Stück umso starrer und beispielhafter wirkt. Trotzdem mangelt es nicht an amüsanten Szenen, und Evita hatte wohl noch nie so lange Beine.

Bis 15. Sept., jeweils Mi bis Sa, um 20 Uhr.


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