Österreichs Himmel

Stadtleben | Herwig Höller | aus FALTER 36/07 vom 05.09.2007

ZEITGESCHICHTE Mariazell ist nicht nur ein Wallfahrtsort - stets war es auch die Bühne, auf der die Mächtigen ihre Religiosität inszenierten.

Kaum ein Ort in unserem schönen Österreich ist so bekannt und beliebt wie Mariazell und kaum ein Name bringt die Herzen des Volkes so zum Klingen wie der Name Mariazell." Als die obersteirische Marktgemeinde 1948 mit feierlichem Pomp zur Stadt erhoben wurde, war die Begeisterung der katholischen Kleinen Zeitung, die nach einem Nachkriegsverbot eben erst wieder erscheinen durfte, grenzenlos: "Innige Sehnsucht gilt diesem wahrhaft begnadeten Ort. So ist die Feier ein Aufruf, auch an jenem Österreich mitzubauen, das wir ersehnen: ein freies und glückliches Land."

Aber nicht nur katholische Journalisten jubilierten, denen tendenziell wieder eine - wie schon im Ständestaat vor 1938 - auch politisch dominante Rolle des Katholizismus vorschwebte. Die Feier zur Stadterhebung versammelte höchste Würdenträger der besetzten Republik, sogar der sozialistische


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