Spielplan

Politik | Gregor Schenker | aus FALTER 36/07 vom 05.09.2007

Schon letzte Saison huldigte das Schauspielhaus der Leinwandlegende Romy Schneider mit "Sissi", einer trashig-kurzweiligen Revue, das Theater Kaendace widmet ihr nun mit "Der Rest ist Sehnsucht" im TTZ eine leise-besinnliche Collage. Während Regisseur André Rößler die Vermengung der Sissi-Figur mit der Person Romy im Auge hatte, interessiert sich Kaendace-Darstellerin/Regisseurin Klaudia Reichenbacher in ihrer Bühnenadaption eines wissenschaftlichen Textkonvoluts mehr für die Frau um die vierzig und ihre Existenzängste im Allgemeinen. So flüstert und singt sie zu Peter N. Grubers eindringlichem Soundtrack aus kratzenden, scheppernden und trommelnden Kontrabassloopschleifen Originalzitate von Schneider, die von Alexander Mitterer aus der männlichen Perspektive kommentiert werden. Sätze wie "Ich bin ein leeres Gefäß" oder "Licht ohne Schatten" beschreiben dabei aber mehr das spezifische Problem einer Schauspielerin, die ohne Rolle nicht weiß, wer sie ist und in ihrem Drang zur Selbstdarstellung wiederholt schmerzhaft erfahren muss, das eigene Selbst nicht zu kennen. Dort, wo Reichenbacher dem Text in sich selbst folgen kann, gelingen ihr intim leuchtende Momente, den locker aneinandergereihten Lebensstationen fehlt aber so etwas wie ein dramatischer Bogen, um aus den durchwegs feinen Zutaten ein nachhaltiges Stück zu zaubern.


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