Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 36/07 vom 05.09.2007

Freddy Quinn erzählte Hans Hurch und Wolfgang Koch ausführlich aus seinem Leben. Diesmal ein Ausschnitt aus seiner Hamburger Frühzeit auf der Reeperbahn. Quinn:

"Ich spielte jeden Abend bis zwei Uhr in der, Washington Bar' und verdiente da sehr viel Geld, besaß aber damals schon einen Sinn für die Wirtschaft und habe Geldumlauf praktiziert. Wenn ich in der, Washington Bar' fertig war, ging ich sofort in den besten Laden der Reeperbahn, der hieß, Lausen', und bestellte da als Erstes eine Runde für meine Freunde, und im, Lausen' kostete der Pikkolo - das ist nicht mal Champagner - ungefähr 68 Mark. Dann ging's weiter ins, Menke', ins, Liliput' und den Rest gab ich im, Blauen Peter' aus, der schloss um fünf Uhr auf, aber da war ich schon wieder im Dienst. Ich hab mich ans Klavier gesetzt und Boogie gespielt, für 'nen Rum,, Caledonia, what makes you big…' (singt). Die hatten einen Bass, ein Schlagzeug und ein Piano, und ich machte im Riff, im Break einen Handstand auf dem Flügel, mit einer Hand, mit der anderen habe ich weiter in die Tasten gehämmert. Und dann bin ich meistens, weil ich schon zu besoffen war, umgefallen und rein ins Bier, und dann mussten zehn Damen sich nach Hause begeben und umziehen, und mich warf man vor die Tür. Gelandet bin ich meistens bei, Lemitz'. Das war ein berüchtigtes Frühlokal, in dem sich die ganze Gosse traf, alles, was in der Nacht übrig geblieben war, die unterste Stufe der Nutten, die kleinen Gangster, die an diesem Abend keine fünf Mark mehr klauen konnten (…) Ach es kann sich kein Mensch vorstellen, wie glücklich ich war. Ich lebte im siebten Himmel, frei wie der Wind." A. T.


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