Presseschau

Medien | Florian Klenk | aus FALTER 36/07 vom 05.09.2007

Ein Jahr Österreich. Die Kollateralschäden des neuen Boulevardjournalismus sind wöchentlich zu besichtigen. Waren es früher nur Täter und Angeklagte, die von der Presse hergedroschen wurden, so sind es nun Opfer und Unbeteiligte. Etwa das Opfer des "Kannibalen" und dessen Familie. Die Krone machte noch auf braven Boulevard, fotografierte die Eltern des Toten, wie sie eine Statue der Heiligen Familie halten. Ob der Fotograf sie ihnen in die welken Händer gedrückt hat? Fellner legt nach. Er druckt das Geschwätz von Nachbarn, die dem Toten allerlei pädophile Tendenzen unterstellen. Und schon war der Kannibalenmord ein Sexualverbrechen. Hat der Verspeiste "Hannibal Lector" bedrängt? Wo der Boulevard wütet, wird plötzlich auch die souveräne Presse nervös. Der sonst so gelassene Gerichtsreporter des Blattes widmet seinen Text nun dem Leben einer Schöffin im Bawag-Prozess. Sie soll im Rotlicht arbeiten! Und ihre Schwester war Domina und danach Ottfried Fischers Geliebte. Es muss ja wieder etwas aufgedeckt werden in der Bawag-Causa - und wenn es nur die Betten von Bürgern sind. .


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