Ohren auf

Lust auf Tasten

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 36/07 vom 05.09.2007

Musik aus dem Salon einer italienischen Renaissance-Kurtisane - was ließe sich da nicht alles an klingenden Frivolitäten erwarten? Allein, es ging zunächst gesittet zu im Kreise der ehrbaren meretrice Veronica Franco, die der noblen Gesellschaft Venedigs Ende des 16. Jahrhunderts nicht nur ihren Körper zur Verfügung stellte, sondern vorab auch geistreiche Unterhaltung, Poesie und Musik bot. Auf dem Spinett trug sie ihrer Kundschaft raffiniert gesetzte Madrigale vor, streute aber auch ein paar zotige Volkslieder und derbe Tänze in eleganten Bearbeitungen darunter. Auf "Voglio il core" (Klangrede) stellte die Wiener Cembalistin Susanne Pumhösl ein solches Programm zusammen und gibt damit einen wunderbaren Einblick in die sinnenfreudige Welt der venezianischen Oberschicht des Cinquecento.

Die Lust an Spiel, Witz, Ironie und Zweideutigkeit war 120 Jahre später auch François Couperin alles andere als fremd. Der französische Cembalomeister griff formal zwar gerne auf bewährte Muster


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