Einkaufen

Überall dasselbe

Stadtleben | aus FALTER 36/07 vom 05.09.2007

Schon wieder ein neues Einkaufszentrum. Schon wieder nur dieselben Ketten wie überall - mit traurigem Teenagerzubehör, schlechten Schuhen oder abzulehnenden Accessoires. Wieso kommen eigentlich immer nur die langweiligen Geschäfte nach Wien? Wieso bleiben immer nur die blöden Labels? Wenn wir zum Beispiel nach New York, Berlin oder Hamburg reisen, müssen wir immer zu American Apparel T-Shirts kaufen. Socken und Unterhosen auch. Die werden in Downtown LA hergestellt, sind angeblich fair produziert und momentan ungefähr das Angesagteste, was man sich überziehen kann. Deshalb gibt es auch überall auf der Welt American-Apparel-Läden - nur in Wien nicht. Oder Habitat. Ursprünglich vom Design-Sir Terence Conran gegründet, mittlerweile von Ikea übernommen, gibt es diesen niederschwelligen Wohnzubehörladen mit großartigem, preislich oft überraschendem Sortiment nicht nur in allen internationalen Metropolen, sondern sogar in Stuttgart, der schwäbischen Provinzhauptstadt! Und jedes Mal, wenn wir in Stuttgart sind, überlegen wir, ob die Bahn Sofas als Reisegepäck befördern würde. Ist Wien nicht gut genug für Habitat? Immerhin hat Conrans Büro hier das Café Drechsler umbauen dürfen. Oder Wormland, ein Herrenausstatter aus Deutschland, der Herren wirklich auszustatten vermag. Nicht nur mit teuren Designerlabels, sondern auch der günstigeren Hausmarke. So ein Wormland wäre doch schön in Wien. Wir bekommen dafür eine Mango-oder Zara-Filiale nach der anderen vorgesetzt. Oder Deichmann. Brauchen wir nicht. Genauso wenig wie die faden Flaggschiffgeschäfte der Edelmarken am Kohlmarkt. Stattdessen her mit einem Paul-Frank-Laden, einer Kostas-Murkudis-Boutique. Oder einem Camper-Store. Wie bitte? Wir sollen zum Einkaufen gleich nach Berlin-Mitte reisen? Machen wir auch. In Wien gibt's ja nichts.

C. W.


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