Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 37/07 vom 12.09.2007

Bereits vor zwanzig Jahren gab es eine Museumsdebatte. Dietmar Steiner beendete seinen Beitrag "für die Erhaltung der Museen als Widerstandsnester der kulturellen Erinnerung" mit folgendem Plädoyer, das unzeitgemäß-zeitgemäßer nicht sein könnte:

"Die Vermittlung von Kunst und Kultur und damit auch die Wiener, Museumsdebatte' ist längst schon Teil jener touristischen Unterhaltungsindustrie, die dem imaginären Massenerfolg, dem Publikum nachläuft. Daran sollten wir unser Unbehagen messen. Wir haben ein Technisches Museum, das als Gesamtkunstwerk eines Museums des 19. Jahrhunderts samt Inhalt und Exponaten unter Denkmalschutz gestellt werden müsste. Jede Modernisierung zerstört das vergessene Relikt und öffnet halbherzig der zeitgenössischen Industrie die Tore. So ähnlich ergeht es allen anderen Museen. Sie sind eigentlich vergessene Widerstandsnester der kulturellen Erinnerung, Museen der Museologie, deren Ist-Zustand eingefroren werden müsste, um jene Zeitbotschaft zu bewahren, als Museen noch nicht der plebiszitären Unterhaltungsindustrie gefügig gemacht waren. Wir werden einmal dankbar sein für die Tempel mit immanentem Schwellenwert, wo sich Sammeln, Schützen, Bewahren, Forschen ausleben kann. Ein notwendiger überlebter, Hintergrund' für die inszenatorischen Selbstdarstellungswünsche von Ausstellungsmachern, Kulturproduzenten und für alle publikumswirksamen Ereignisse. Sie sollten den inhaltlich kulturellen Mut besitzen, an andere Orte auszuweichen. Geschützt werden müssen die Museen vor einer Debatte, die nicht ihre Sache, nicht ihre Inhalte betrifft." A. T.


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