Phettbergs Predigtdienst

Fashion Victim

Stadtleben | aus FALTER 37/07 vom 12.09.2007

Fantastisch war für mich die Wien-Premiere von "Fashion Victim", sogar teilweise auf Knien in kurzen Hosen, beides tatsäch-, nicht bildlich gemeint, neben dem 33-jährigen, extra aus Berlin eingereisten Ingo Rasper, dem Filmemacher dieses seines Erstlings anwesend und dann vor dem Publikum plaudern haben zu dürfen. Keineswegs es zu müssen. Vor Glück und Freude über dieses Happy-End-Szenario, also Lustspiel dieses Films der Schwulen und Lesbenbewegung, die in diesem Film mit Recht dargestellt wird! Ich weinte, wie ich überhaupt nahe am Wasser errichtet bin, während das Publikum brustete, ja teilweise brüllen musste vor Lachen, denn der Film ist wirklich lustig gemacht. Aber nichts ist schöner, als weinen zu können, nur vielleicht das Magenknurren für einen nun von der Fresssucht Geheilten. Aber es ist eine absolute Freude gewesen, diesen Film zu sehen! Der Film spielt um die hässlichsten Fetzen, die im ganzen Lande aufzutreiben waren, und er zeigt überhaupt alle hässlichen Bauten und Autos, die unsere Städte überwuchern. Allein deshalb ist es eine Freude ihn anzusehen. Auch das Kino, in dem die Premiere stattfand, ist hässlich. Es ist das "W 3", das aus dem dritten Bezirk auch so einen Stil etablieren will, wie die Hochbau-Industrie sich das so vorstellt, alles schnell hinstellen. Und dann wieder genauso schnell niederreißen. Denn das schafft Arbeitsplätze. 3 Mal: beim Errichten, beim Niederreißen dann und beim Wiederaufbauen! Aber der Film barst vor hässlichen Dingen. Aber es verlieben sich zwei attraktive Kerle ineinander: Karsten, der soeben Abitur machte, und der ein paar Jahre ältere Steven! Der Vater von Karsten ist Fetzen-Kleinhändler und spielt sich zuerst als großer Boss auf, aber er schrumpft im Laufe des Films zu einem Wicht. Er wagt es nicht einmal, seiner Frau zu gestehen, dass ihm der Führerschein abgenommen wurde, und Karsten wiederum wagt nicht, seinem Vater zu erzählen, dass er schwul ist. Der Macher dieses Films lebt in einem ähnlichen Niveau und offen schwul. Ich würde überhaupt die Theorie aufstellen, dass nur Filme, die einen ordentlichen Hauch Selbsterlebtes beinhalten ... Je erfundener ein Szenario, desto uninteressant. Selbsterfiebertes, macht es.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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