hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 37/07 vom 12.09.2007

Nichts mehr, wie es war

Am Festivalgelände von Mariazell liegen noch ein paar Plastikbecher, Zigarettenkippen und Reiserosenkränze herum, der ehrwürdige Vater ist wieder auf dem Weg nach Italien, und die wirklich wichtigen Fragen bleiben mal wieder unbesprochen. Dabei wäre es eh wurscht: Wenn Benedikt seinen treuen Jüngern spezielle Aspekte der christlichen Sexualmoral erklärt, hören sowieso nur die treuen Jünger zu, und die sind ohnehin keuscher als jede junge ÖVP-Ortsgruppe. Und die Ungläubigen vögeln munter weiter. Es ist wie mit den Turnlehrern, die sich lautstark über die Daheimgebliebenen aufregen, oder mit den Nichtraucherhinweisen auf den Bahnsteigen, die nur dort stehen, wo geraucht werden darf. Wer also in der Raucherzone raucht, weiß, dass er in der Raucherzone bleiben soll, wer in der Nichtraucherzone raucht, hat davon keine Ahnung und kann sich über die bösen Blicke nur wundern. Dabei hat er es ohnehin schwer genug, seit die Raucherabteile stillschweigend aus den österreichischen Zügen verschwunden sind. Die Älteren unter uns können sich noch daran erinnern, dass in der Graz-Köflacher Bahn früher ganze Waggons, die übrigens im Westernstil gehalten waren, grün und mit Holzbänken, den rauchenden Berufsschülern vorbehalten waren. Damals wurden die Messen auch noch in Latein gelesen. Und wie sagen Benedikt, die KPÖ, Eva Hermann und J. Hickersberger: Es war nicht alles schlecht!


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