Im ukrainischen Macondo

Politik | Joseph Gepp | aus FALTER 38/07 vom 19.09.2007

OSTWÄRTS Juri Andruchowytsch, der bekannteste Schriftsteller der Ukraine, wollte für sein Land eine neue Identität finden. Er scheiterte an seinem ersten Besuch in Wien.

Hinter dem überdimensionierten Blatt der Alocasiapflanze versteckt sich das Dachfenster, und dahinter liegt Iwano-Frankiwsk, die Heimatstadt von Juri Andruchowytsch. Auf der rechten Straßenseite steht ein Plattenbau nach sowjetischer Bauart, heruntergekommen bis an die Grenze zum Verfall, mit Fernsehantennen auf dem Dach und Wäscheleinen auf den Balkonen, deren Schutzgeländer mit Wellblechplatten verstärkt sind. Das ist, wenn man will, Russland. Links steht ein gründerzeitliches Haus aus dem 19. Jahrhundert, ebenfalls heruntergekommen, mit ziegelsteinernen Rauchfängen und von dunklen alten Holzrahmen in etliche kleine Rechtecke geteilten Fenstern. Das ist die Ukraine. Neben Russland nimmt sich die Ukraine wie ein kleiner Anbau aus.

Der Schriftsteller Juri Andruchowytsch hat eine Schwäche für drastische Formulierungen.


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