"Das dauert länger"

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 38/07 vom 19.09.2007

FILM "Meine liebe Republik" erzählt die wahre Geschichte des Justizopfers Friedrich Zawrel. Kein noch so paranoider Hollywoodautor hätte sie sich ausdenken können.

Friedrich Zawrel, ein älterer Herr mit großer Brille und dickem Jackett in gedecktem Blau, schreitet durch einen der verwaisten Pavillons im renovierungsbedürftigen Nebentrakt des Psychiatrischen Krankenhauses am Steinhof. Damals gab es andere Türen hier, bemerkt er, massiv wie in einem Gefängnis, und die Fenster der Zellen waren aus Milchglas. Anfang der Vierzigerjahre war er als Bub für "erbbiologisch und soziologisch minderwertig" erklärt und hierher verbracht worden, in die berüchtigte Euthanasieanstalt Am Spiegelgrund, in der NS-Ärzte während des Krieges mehr als 800 Kinder ermordeten.

Herr Zawrel überlebte; eine junge Krankenschwester, deren Name vergessen ist, verhalf ihm zur Flucht. Genauso in "Vergessenheit" geriet nach 1945 freilich auch die Mordskarriere von Heinrich Gross, eines Psychiaters, der an diesem


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