Neuerscheinung

Kultur | Wolfgang Kühnelt | aus FALTER 38/07 vom 19.09.2007

PROSA

Stefan Schmitzer:

Vier Schuss

Der lyrische Erstling des jungen Grazers Stefan Schmitzer "moonlight on clichy" wurde heuer - nicht nur in diesem Blatt - von der Kritik durchwegs für gelungen befunden. Nun liegt wenige Monate später mit "Vier Schuss" das erste Prosawerk Schmitzers vor. Die Geschichte des Häftlings 75, der seinen Namen und den Grund seiner Inhaftierung vergessen hat und mit vier Schuss Munition und einer Waffe aus der Gefangenschaft flieht, wird hier allerdings nicht erzählt, sondern höchstens angerissen. Ein gutes Gefühl für Rhythmus hat Stefan Schmitzer zweifellos, doch um eine Erzählung zu schreiben, die diese Bezeichnung zu Recht trägt, fehlt es an allen Ecken und Enden. In der Prosa hängt gekonntes Schreiben stets mit der Kunst des Beschreibens zusammen. Mit den stakkatoartigen Stummelsätzen dieses schmalen Bändchens und dem Verzicht auf jede Charakterisierung seiner handelnden Personen liefert der Autor nicht mehr als einen spröden Entwurf. Der Leser beginnt sich bald nach aussagekräftigen Hauptsätzen zu sehnen, die aus dem Plot durchaus eine spannende Story hätten machen können. Schmitzers "Sprache" kann man nun natürlich als rebellischen Gestus interpretieren und als Bruch von Konventionen. Klüger wäre es allerdings zu fordern, dass solche literarischen Klappergestelle erst mit Haut und Haar, Fleisch und Blut vervollständigt auf die Menschheit losgelassen werden.

Leykam. 95 S.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige