Petrijünger, einsam auf Beutefang

Andrea Kästle | Extra | aus FALTER 39/07 vom 26.09.2007

STADTREPORTAGE Beim ersten Sonnenstrahl fahren sie hinaus - nicht aufs hohe Meer, nein, an den Donaukanal: die Fischer Wiens.

Blonde, lange Haarsträhnen hängen ihm wirr ins faltige Gesicht. Bruno Riedl, 52, war Maurer, seit gut zwanzig Jahren arbeitet er nicht mehr. Er fischt. Jeden zweiten Tag bezieht er seit 1979 Position am Donaukanal, linke Seite (flussaufwärts gesehen), Höhe U-Bahn Schottenring, legt er die Marlboro-Schachtel auf eine Bank, daneben seinen Rucksack mit den nötigen Utensilien: "Extra Angel-Mais" im Glas, rote, gelbe und braune Maden, die im Plastikdöschen herumwimmeln, seine Ausweise und ein Flaschenbier. Dann wirft er seine zwei Angeln aus - und wartet. Am 10. April biss ein Karpfen an. Seither blieb's ruhig am Köderhaken. Macht nichts. "Fang ich was, isses gut, wenn nicht, ist's auch egal."

Im Frühling, wenn der Verband der Österreichischen Arbeiterfischereivereine die "Besatzfische" ins Wasser gibt, gehören Angler zum Donaukanal wie Bäume zu einer Allee.

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