Erhard Busek

Karriere und Rache in der ÖVP

Extra | aus FALTER 39/07 vom 26.09.2007

Am vergangenen Donnerstag hat sich Ex-ÖVP-Obmann Erhard Busek aus der österreichischen Innen- und Parteipolitik zurückgezogen. Busek war in den vergangenen Monaten zum Opfer der fröhlichen Obmannhatz der ÖVP geworden, an der er sich in früheren Jahren selbst nicht unmaßgeblich beteiligt hatte. Im Oktober 1994 entfachte die Krone, eine wilde Anti-Busek-Polemik. Die "Königsmacher" bliesen ins Jagdhorn: Man brauche ein neues Team, um die ÖVP aus ihrer Krise zu führen. Anfang Mai war es soweit: Busek musste ebenso gehen wie Alois Mock, Wolfgang Schüssel wurde neuer ÖVP-Obmann. Die Rache der zahlreichen innerparteilichen Feinde, die sich Busek in der Vergangenheit gemacht hatte, war fürchterlich. Andreas Khol versicherte einem besorgten ÖVP-Wähler brieflich, Erhard Busek habe "in Wort und Schrift" keinen Einfluss mehr in der Partei. Und so war es denn auch: Dem studierten Juristen blieb nur ein einfaches Nationalratsmandat. Für Busek ein Hohn: Er begann seine Parteikarriere im Jahr 1964 als zweiter Klubsekretär der ÖVP im Parlament, trat vier Jahre später in die Bundesleitung des Österreichischen Wirtschaftsbundes (ÖWB) ein, wurde dort 1972 Generalsekretär und 1975 ÖVP-Generalsekretär und Nationalratsabgeordneter.

In den Siebziger- und Achtzigerjahren schaffte er es als Stadtrat und Landesparteiobmann in Wien, die "bunten Vögel" der Partei um sich zu scharen und der Kommunalpolitik gemeinsam mit seinem Freund Jörg Mauthe neue Impulse zu geben. 1989 wechselte er als Wissenschaftsminister in die Bundespolitik, wurde im Jahr 1991 Bundesparteiobmann und Vizekanzler. Im Oktober 1994 übernahm er auch das Amt des Unterrichtsministers. Dann begann jedoch die Demontage (siehe oben). Nach seinem Abschied von der Politik will Busek in nächster Zeit vor allem an Osterweiterungs-, Europa- und Bildungsprojekten arbeiten. Eine Rückkehr in die (Kommunal-)Politik schloss er schon vor einigen Wochen im Gespräch mit dem Falter aus.


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