Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 39/07 vom 26.09.2007

Heute ist er französischer Außenminister. Damals schrieb er im Falter. Bernard Kouchner, Gründer von Médecins sans Frontières. Naja, er gab der Zeitschrift actuel ein Interview, das Leopold Federmaier für uns übersetzte. Es war nicht weniger als eine Vernichtung des Pop-Intellektuellen Bernard-Henri Lévy.

"Die Länder im Kriegszustand bereist Bernard-Henri Lévy auf die gleiche Weise, wie er Bücher liest: er blättert darin. Wer drei Tage irgendwo auf der Welt verbracht hat, ist noch lange kein Intellektueller! Das am allerwenigsten! Er kann sich nicht einmal Journalist nennen, nicht einmal Reisender. So einem Denken fehlt der Kompromiss. Sie missbrauchen uns, Monsieur Lévy, es ist traurig, dass man es Ihnen sagen muss. Es ist schon ein wenig Ausdauer nötig zum Handeln. Helfen, denken, schreiben, das geht nicht ohne Beharrlichkeit. Auch Mut ist eine Frage der Ausdauer. ich sage nicht, das BHL feige ist, aber Mut ist etwas anderes. Mut bedeutete Kontinuität. Und den Leuten helfen ist nicht gerade lustig. Es ist geringfügig, erbärmlich und mühsam. Man langweilt sich oft, wenn man mutig ist, aber er, er hat nicht die Zeit, sich zu langweilen (…).

Im Grunde hat man von Anfang an gewusst, dass Bernard Henri Lévy Kitsch ist, eine Art von Top 50 des Denkens, die man nie infrage gestellt hat., Französische Ideologie', das bedeutete unter anderem, die Intellektuellen auch dann noch zu umhätscheln, wenn sie im Sumpf des über den Daumen Gepeilten und des Irrtums waten. Man hat von BHL gesprochen, als wäre er schon tot. Über Tote darf man nur Gutes sagen.

Er springt von einer Sache zur anderen, von einer Idee zur nächsten. Er macht alle zwei Monate eine Wende. BHL hat das Wegwerfdenken erfunden."


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